Jolanta Mihelčič

Quadratus Lumborum – den Panzer sprengen und die persönliche Kraft entfesseln

18/10/2018

Quadratus lumborum – den Panzer sprengen und die persönliche Kraft entfesseln

Heute, scheint mir, ist ein guter Tag, um den ersten Blogeintrag zu meiner Arbeit als Gestalt- und Körpertherapeutin zu schreiben. Eine Klientin und ihr Prozess haben mich inspiriert und mich gleichzeitig daran erinnert, wie es war, als ich zum ersten Mal an dieser Stelle des Rückens behandelt wurde. 

Was mich als Körpertherapeutin am meisten interessiert ist, wo sich Emotionen und Erfahrungen im Körper abspeichern, bzw. wo sich auch traumatische Erlebnisse versteckt haben und wie man diese erlösen kann. Emotionen, die wir im Laufe unseres Lebens nicht „ausleben“ konnten, ziehen sich energetisch in unserem Körper zurück und speichern dabei Energie, die uns nicht länger frei zur Verfügung steht. An diesen Körperstellen ist der Energiefluss eingeschränkt oder blockiert. Das merken wir z.B. daran, dass unser Atem flach wird oder gar ganz ausbleibt, sobald wir an einer bestimmten Stelle berührt werden. Während der Massage kann ich das fast immer beobachten. Unser Körper ist einfach darauf programmiert uns zu schützen und reagiert mit Angst und Rückzug oder eben so, wie er es in bestimmten Situationen gelernt hat.

Die gute Nachricht ist, dass diese Energie durchaus wieder freigesetzt werden kann. Auch Trauma kann auf somatischer Ebene nach und nach gelöst werden. Es geht darum, dem Körper die Möglichkeit zu geben, zurück ins Vertrauen zu finden. Die berührendsten Momente in meiner Arbeit sind, wenn ich beobachten kann, wie der Mensch seinem Körper und Verstand erlaubt, loszulassen und sich einfach dem Prozess hingibt. Am Quadratus Lumborum ist dies besonders eindrucksvoll, denn hier kommt der Mensch manchmal zum ersten Mal mit seiner inneren Kraft in Verbindung. Ich stelle es mir gerne folgendermaßen vor:

Durch verschiedene Erfahrungen haben wir z.B. als Kind gelernt, bestimmte Emotionen nicht zu fühlen bzw. zu unterdrücken. Leider passiert dies häufig auch in Situationen, in denen ein Kind gerade übersprudelt vor Freude und Lebenslust. Es ist richtig gut drauf und möchte seine Erfahrungen gerne mit den Eltern teilen. Wenn sich Eltern von dem Kind gestört fühlen und wiederholt seine Lebensfreude „dämpfen“, kann dies zu einem inneren Rückzug und Energiestau führen. Es ist vergleichbar mit einem kochendem Wassertopf, dem man den Deckel aufsetzt. Passiert dies beim Kind immer wieder, dann muss diese zurückgehaltene Energie irgendwie in Schach gehalten werden. D.h. die Muskulatur um den Brustkorb, in der unteren Wirbelsäule und im Zwerchfell verspannt sich, manchmal entsteht ein regelrechter Panzer und auch der Atem stagniert. In der Therapie geht es darum, diese innere Spannung aufzulösen und das kann ich unter anderem sehr gut bei der Arbeit mit dem QL beobachten. Durch den Widerstand der Tiefengewebsmassage und mit gezielter Atmung kommt es dann erst zu mehr Anspannung, die sich aber bald in Entspannung und einer energetischen, sowie emotionalen Entladung bemerkbar macht. Es ist im Grunde so, als würde man den einschränkenden Panzer von innen heraus sprengen. Erst hinterher spürt man, wie eingeschränkt man vorher war und es macht sich ein befreiendes Gefühl von Weite breit.

Für mich ist dieser Prozess immer wieder unheimlich beglückend, aber nicht nur für mich…